Archiv für Dezember 2007

Den Obstfliegen.

Dezember 6, 2007

Einen Kaffee getrunken, und sitze noch immer in der Küche. Ich stehe auf, bringe die benutzten Teller, Tassen und Töpfe in eine Anordnung, die weniger aufkratzt. Ich fülle Wasser in den Wasserkocher. Drei Teelöffel losen Kräutertee in das Sieb der Teekanne. Ich stehe am Fenster. Das Haus gegenüber auf aschgrauem Hintergrund. Ich sehe die weißen Punkte auf dem Fensterglas verteilt.

Ich denke an die roten Augen und die gestreiften Körper der Obstfliegen. Ich habe nach ihnen geschlagen; in den Flug hinein. Sie fliegen von den feuchten und gärigen Ecken auf, wenn man nahe kommt. Nur die ausgewachsenen bleiben an den Wänden. Ich habe gespürt, dass die größten von ihnen knacken, wenn man sie langsam zerdrückt. Die vielen weißen Punkte auf dem Fensterglas müssen Ausscheidungen sein.

Ich suche nach etwas;  das ich tun könnte. Die Brille zum Optiker bringen. Ich gieße den Tee auf. Im Radio spricht man von etwas. Ich habe einen französischen Sender gewählt. Ich lösche E-Mails. Ich suche im Stadtmagazin nach einer Vormittagsvorstellung. Kein Film vor 14 Uhr. Ich werde nicht in die Stadt gehen. Ich werde kochen; später. Ich werde einkaufen gehen und ein Mittagessen kochen. Ich werde den Bio- und Restmüll mit nach unten nehmen. Wenn ich zurückkome, nehme ich die beiden Eimer wieder mit nach oben. Ich werde Wasser in das Spülbecken lassen und Kartoffeln schälen. Nach zehn bis fünfzehn Minuten werde ich ein Alaska-Seelachsfilet in siedendes Olivenöl und das Gemüse in kochendes Wasser geben. Am Tisch werde ich sitzen, Gabel und Messer in die Hand nehmen. Ich werde vom weißen Filet Stücke trennen, die Katoffeln teilen und mit den Furchen der Gabel zerdrücken. Die Erbsen werde ich mit der Gabel einzeln aufspießen und das Reißen der Erbsenhaut wie einen leichten Impuls in den Fingerspitzen spüren.

report

Dezember 1, 2007

Vor wenigen Tagen bin ich bei der chinesischen Massage gewesen. Ich hatte dir schon einmal davon erzählt! Ohne ausufern zu wollen, aber dieses kleine Studio in seiner Stille und Abgeschiedenheit erinnert mich doch jedes Mal, wenn ich es betrete, an die Wahrsagerinnenwohnung aus dem Film „Matrix“. Ich bin schon des Öfteren dort gewesen; in meinem Bonusheft befinden sich acht Stempel. Die Zeit dort scheint langsamer zu laufen, die Gesten mitteilungsvoller zu sein, etc. Das Studio hat die räumliche Form eines Schlauches. Man muss ganz nach hinten gehen und dann auf einem der roten Ledersessel Platz nehmen. Nur die Jungs mit den schwebenden Löffeln fehlen. Gereicht wird einem ein warmer Jasmintee und die Füße werden in ein Blumenbad gesteckt. Inmitten meiner Wohngegend, in meinem Fall inmitten von Charlottenburg, offenbarte sich also bei der chinesischen Massage – nicht meine Zukunft -, aber die menschliche Weisheit!

Als ich das letzte Mal dort gewesen bin, dieses Mal schien mir die Masseurin ein wenig in sich gekehrt, da hatte sie begonnen die Innenseiten meiner Zehen zu massieren. Es tat so gut, es tat gleichzeitig aber auch so weh. Beinahe jeder Punkt, den sie berührte, schmerzte. Ich blickte zur Seite. Eine Frau, die neben mir saß, schien keine Probleme zu haben. Konzentriert las sie eine Illustrierte. Ich indes konzentrierte mich auf meinen Fuß und meine Masseurin meinte, dass eine Fußreflexzonenmassage in China ganz alltäglich und völlig preiswert sei. Sie regeneriere den Organismus und halte gesund. Ja, klar! Währenddessen die Masseurin also meine Zehen massierte, stellte sie plötzlich fest: „Sie rauchen, nicht wahr?“ Ich schaute sie erstaunt an und fragte zurück: „Woher wissen Sie das?“ Sie lächelte nur verschmitzt und gab als Antwort: „Der Fuß ist der Abdruck deiner selbst.“ –

Somit denke ich also, dass man den chinesischen Masseurinnen (ihre Eingangstür haben sie knallgrün gestrichen) vertrauen kann. Die wissen, was sie tun!